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Mühle Zeddenbach an der Unstrut

Das Geräusch in der Mühle zieht mich unwiderstehlich an. Ein gleichmäßiges Rauschen, das in einem Kreislauf immer wieder von vorne beginnt. Ich trete noch einen Schritt vor, bis an die Grenze, an der fachfremde Besucher während des Betriebs erlaubt sind. Hinter mir stehen, fein säuberlich gestapelt, die weißen Mehlsäcke für den Hausgebrauch auf einem massiven Holztisch. Daneben ist in einem schönen Kontrast die leuchtend rot lackierte, fast mannshohe Waage aufgebaut. Vor mir halten dicke Holzdielen und grün gestrichene Säulen aus Gusseisen das obere Stockwerk. Dahinter kann ich die Riemen erkennen, die offensichtlich die Wasserkraft übertragen. Noch weiter weg dreht sich ein großes Zahnrad. Und dazu das Geräusch, das mich langsam wie magisch in seinen Bann zieht, einschläfernd, immer weiter, bis in eine ferne Stunde... Da reißt mich plötzlich eine laute Stimme aus dem Zauber. "1200 Jahre CO2-frei", sagt ein Mann hinter mir ganz nah an meinem Ohr, um das Dröhnen der Maschinen zu übertönen. Es ist Völker Schäfer, der Müller, dem, als ich mich erschrocken umdrehe, der Schalk aus dem Gesicht blitzt. Klar, dieser Mann ist hier der Hausherr. Ihm entgeht nichts, und dass er die Mühle mit Herz und Überzeugung betreibt, ist auf den ersten Blick erkennbar.

Ein Blick in die Werkhalle der Mühle Zeddenbach

Die ältere Geschichte der Mühle geht bis in die früheste Besiedlung der Gegend zurück. Ab 1137 waren die Zisterzienser im nahen Kloster Pforta tätig und modernisierten die Landwirtschaft der gesamten Region. Sie sollen auch das Fundament der heutigen Mühle gelegt haben. Die neuere Geschichte beginnt im Jahr 1932, als die Mahlwerke angeschafft werden, die heute noch aktiv sind. Es ist eine Geschichte der Familie Schäfer, die sich weigert, die Mühle zu DDR-Zeiten in einen volkseigenen Betrieb umwandeln zu lassen und damit durchkommt. Und sie lebt vom derzeitigen Eigentümer, der die langsamere Produktion, die geringere Auslastung und die bessere Qualität über, wie er glaubt, trügerische Profitversprechen stellt, und damit einen Nerv der Zeit getroffen hat. 25 Tonnen Mehl am Tag kann die Mühle maximal am Tag herstellen. Die Erträge, die über den schonenden, weil langsamen und weniger heißen Mahlprozess, ausfallen, holt Schäfer auf andere, umweltschonende Art herein: In seinem Laden verkauft er direkt an die Kunden nicht nur verschiedene Mehlsorten aus seiner Mühle, sondern auch Naturkost und viele Produkte, die sich aus dem Getreide herstellen lassen. Ganz Regale sind mit Nudeln jeder Form, Farbe und Größe, verschiedenen Müslis und Knabbereien gefüllt. Und weil immer mehr Menschen unter Zivilisationskrankheiten wie Zöliakie und Neurodermitis leiden, findet das schonend gewonnene Mehl ohne Zusatzstoffe immer größeren Absatz.

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> deutsch-amerikanische Journalistin in Leipzig.

 

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> seit 1998 erfolgreich am Markt.

 

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Stephanie von Aretin

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