Jordan Trail

https://jordantrail.org/

Aber erst seit 2015 gibt es eine Association, die den Trail bewirbt und damit verbunden Fördergelder von USAid an die anliegenden Kommunen und Beduinenstämme akquirieren konnte.

Wir nähern uns dem sechsten Teilstück der auf 40 Tage konzipierten Route ganz traditionell auf dem „Königsweg“, der einst Kairo mit Akaba, Amman und Damaskus verband. Die einspurige Straße ist hübsch gesäumt mit kleinen Baumreihen und Oleander und so schmal, dass sie wie eh und je die Dörfer durchschneidet. An einer Straßenkreuzung halten wir an, kaufen in einem dunklen, geräumigen „Laden für Alles“ Datteln, bekommen vom Ladeninhaber starken, süßen Tee aus kleinen Pappbechern serviert, während sein halbwüchsiger Sohn an der Kasse sitzt. Samir ist begeistert: „Das ist alte beduinische Gastfreundlichkeit“, ruft er. „In Petra und im Wadi Rum werdet ihr das nicht erleben. Da kostet alles Geld.“ Während wir im angenehm kühlen Raum herumlungern und die Pause genießen, rast ein flacher, zerbeulter Wagen im gefühlten Look der 80er Jahre heran und hält vor dem Laden. Die Fenster sind offen, keiner der Insassen - ein Vater und drei Söhne – ist angeschnallt. So sieht Freiheit auf Beduinen-Art aus – allerdings nur für die Männer. Gleich werden sie mit den Habseligkeiten der modernen Welt – Windeln, Reis, Süßigkeiten - in das Zelt zurückkehren, wo die Frauen warten.

Die Öko-Lodge im alten Dana – am Hang mit einem wunderbaren Blick über das Tal gelegen – ist im Stil einer Jugendherberge eingerichtet. Stockwerkbetten, quietschende Metalltüren, Bad auf dem Gang, Speisesaal mit Büffet und Abräumwagen aus Aluminium. Wir schlafen alle schlecht. Das Personal allerdings stammt direkt aus dem Dorf und ist so inklusiv, wie es sich die amerikanischen Entwicklungshelfer erträumt haben. Ein tauber junger Mann hilft beim Abräumen und steckt das verschlafene Personal mit seiner guten Laune an. Ein älterer Herr mit pomadigen schwarz-grauen Löckchen im Nacken bedient die Rezeption und schläft der Einfachheit halber direkt dahinter in einem Kabuff. Eine junge Frau in Vollverschleierung betreut den Laden mit Öko-Produkten. Sie spricht kaum ein Wort Englisch, setzt aber all ihren Charme ein, um Zögerliche zum Kauf zu bewegen. Das Wasser steht statt in den allgegenwärtigen Plastikflaschen in Glasbehältern mit Pfropf bereit. Wir haben längst verstanden, dass selbst im liberalen Jordanien kaum ein Restaurant Alkohol ausschenkt und uns in einem Drusenladen bei Amman eingedeckt. Den prachtvollen Blick über die Sandsteinabbrüche in das grüne Wadi genießen wir mit einem Glas Rotwein auf der Terrasse. Luxus genug.

Samir hat uns gewarnt: Der erste Abhang ist sehr steil, es wird heiß, geht früh los! Überlegt es euch noch einmal: wollt ihr wirklich die ganze Strecke wandern? Wir ignorieren ihn, schließlich sind wir keine Anfänger. Trotzdem wird es hart. Schon nach den ersten paar Metern brennt uns die Sonne auf den Kopf. Die Temperatur stieg wie an fast jedem Tag in Jordanien auf knapp 35 Grad; doch nun wandern wir sechs Stunden in der Hitze. Teilweise laufen mehrere Pfade nebeneinander her und wir verirren uns ins ausgetrocknete Flussbett.

Immer häufiger blicken wir auf unsere Handys. Wieviele Kilometer haben wir schon, wie viele kommen noch? Die Angaben der Menschen, es sind nur wenige, die wir unterwegs treffen, unterscheiden sich erheblich. Die Männer laufen voraus, und wir erwarten sehnsüchtig ihren Anruf vom Ziel. Endlich kommt er: „Wenn ihr an den frechen Kindern vorbeigegangen seid, sind es nur noch fünf Minuten.“ An den Kindern kommen wir bald vorbei, aber sie sind nicht frech. Sie liegen im Schatten des Beduinenzeltes und bemerken uns nicht. Erst als wir schon vorbei sind, schreien sie uns hinterher. Wir laufen ungerührt weiter. Der Stand am Ende der Wanderung: 16 Kilometer in sechs Stunden. Samir ist überrascht, dass wir schon da sind.

In der Feynan Eco Lodge am Ende der Tour gefällt es uns besser als in der Jugendherberge von Dana. Das Gebäude ist alt, im Stil einer Wüstenburg errichtet. Man weiß nicht – ist die Sonne oder menschliche Angreifer der größere Feins. Der Raum, in dem zu Mittag essen, ist kahl und einfach eingerichtet. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein schattiger Innenhof. Weil das allgegenwärtige Buffet schon leer ist, bekommen wir das traditionelle Brot als Wrap gefüllt mit Joghurt und Tomaten. Köstlich und zu moderaten Preisen. Der Mann, der uns bedient, hat feine dunkle Züge wie ein Herr. Er versteht Humor und rechnet mit dem Taschenrechner.

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